Gestern wollte ich nur kurz Geld wechseln, zwei Pakete aufgeben, Fahrkarte kaufen und dann ab ins Mangamuseum. Aber ne, alles anders. Ich habe einen halben Tag bei der japanischen Post verbracht, die gleichzeitig die groesste Bank der Welt ist. Um Geld zu wechseln musste man wie auf dem Amt eine Nummer ziehen und dann sehr lange warten. Dabei wurden bestimmte Nummern nur von einer Person abgearbeitet, waehrend andere von drei Mitarbeitern bearbeitet wurden. In Japan regen sich die Leute aber nicht auf, sondern ertragen ihr Schicksal geduldig. Warten und warten. Dabei habe ich nicht verstanden, warum die Leute erst am Schalter ihr Anliegen vortragen und sich dann wieder setzen. Die Postbankbeamten rufen dann noch ein zweites Mal auf und bearbeiten den Vorgang quasi ungestoert. Ich habe mich dadurch eher noch mehr als Bittsteller gefuehlt.
Im gleichen Gebaeude war auch gleich die Paketabgabestelle und da war es eigentlich erstmal ganz lustig. Es gab einen grossen Tisch mit Stuehlen, an dem mehrere alte Leute sassen und Weihnachtspostkarten, die es in Paketen zu kaufen gibt, mit von der Post bereitgestellten Motivstempeln bedruckten. Da waren Tiere, Blumen oder Glueckwuensche drauf. Die Leute stempeln fleissig und muessen dann nur noch die Adressen eintragen. Das scheint sehr verbreitet zu sein, da wirklich viele stapelweise Postkarten bedruckten. Dabei waren sie alle sehr gespraechig und ignorierten voellig, dass ich so gut wie nichts davon verstehe.
Beim Paketabgeben gab es dann Probleme, weil Absender und Empfaenger den gleichen Nachnamen hatten. Ich verstehe bis jetzt noch nicht, was daran das Problem ist. Die Diskussion hat allerdings fast eine Stunde gedauert und diverse Leute involviert. Sie wollten das Paket so aber auch nicht annehmen und es mir auch nicht wiedergeben, so dass ich zu einer anderen Post haette gehen koennen. Das waere natuerlich auch sehr unhoeflich gewesen. Die Post scheint in diesem schnellen, perfekt organisierten Land noch eine kleine Oase der Langsamkeit zu sein. Vielleicht versteht ja jemand, der das hier liest, worin das Problem bestanden haben koennte.
Danach wollte ich mir noch schnell eine Nachtzugfahrkarte kaufen und bin leider an eine nicht so „gute“ Schalterbeamtin geraten. Sie konnte nicht so gut Englisch, was an sich nicht das Problem ist, weil dann normalerweise eine Kollegin geholt wird, die es vielleicht ein bisschen kann. Jedenfalls war ihr das unangenehm und sie hat wirklich Ewigkeiten in irgendwelchen Unterlagen nach Standardenglischsaetzen gesucht, um mir etwas zu erklaeren. Ich kannte bereits den Preis fuer das Ticket und sie wollte die ganze Zeit mehr als das Doppelte dafuer haben. Dann habe ich sie gebeten, doch eventuell mal jemanden zu fragen, der etwas besser Englisch kann. Daraufhin ist sie nach hinten verschwunden und lange nicht mehr wiedergekommen. Ich stand dann da und kam auch nicht an meinen Japan Rail Pass ran, weil der auf ihrem Tisch lag. Irgendwann ergab sich dann die Gelegenheit, die Nachbarverkaeuferin zu fragen und die hat verstanden was ich will und es mir auch verkauft. Die Schuechterne kam dann irgendwann wieder, sie tat mir auch leid, aber irgendwie hat es auch nichts gebracht, beschaemt auf den Boden zu gucken, wenn jemand eine Fahrkarte kaufen will.
Adios Mangamuseum. Zu spaet fuer irgendwas. Ausser einem schnellen MegaTomato bei McDonalds.