Henrike’s Weblog

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Heisses Pflaster in Sapporo

Dezember 21, 2007 · Kommentar schreiben

Japan hat zusammen mit Deutschland die geringste Geburtenrate der Welt. Immer mehr alte Leute lungern also draussen rum und machen sich in den Onsen breit. Die Zahl der Ladendiebstaehle durch alte Leute ist signifikant gestiegen, denn viel Geld ist fuer sie nicht da. Sapporo geht mit dem Problem ganz innovativ um und laesst die Strassen und Gehwege wie sie sind, naemlich glatt, eisglatt. Fuer die Strassen gibt ein zum Teil Strassenheizungen, aber die Gewege… Hier wird es im Winter richtig kalt und es fallen mehrere Meter Schnee. Der wird dann von den Fussgaengern schoen festgetreten und schon nach kurzer Zeit gibt es blankes Eis. An wenigen Strassenkreuzungen stehen Boxen mit Splitbeuteln. Diese sind aber so klein, dass sie kaum benutzt werden. Es wuerde einem vielleicht 2 m Eisdecke in SapporoSicherheit bringen. So purzeln sie, die alten Leute und keiner wundert sich. 

Damit Touristen sicherer durch Sapporo kommen, wurde vom Sapporo Winter Life Promotion Council das Faltblatt WALK SMART! herausgebracht. Japaner scheinen zu glauben, dass man ausserhalb Japans noch nie Schnee gesehen hat. Deswegen wird gleich am Anfang die Frage geklaert, warum Schnee weiss ist. Hui. Allerdings gibt es auch schwarzes Eis, wenn die Strasse nass aussieht, denn das Nasse ist dann eigentlich ein Eisfilm. Ah. Es wird daher spezielle Winterkleidung empfohlen, z.B. eine dicke Wollmuetze, die den Kopf beim Aufprall schuetzen soll. Genauso koennen lange Unterhosen den Popo beim Fall schuetzen. Fuer die Haende reichen wasserfeste Handschuhe aus, sie muessen aber das Handgelenk bedecken. Nur zur Beruhigung, ich bin noch nicht auf den Kopf gefallen.

Die meisten Maedchen in Sapporo beachten diese Bekleidungsregeln. Sie tragen Muetze, Schal, Handschuhe und dicke Stiefel mit Gummisohle. Aber unter dem Mantel gucken, wenn ueberhaupt, nur zwei Zentimeter Rock hervor. Dann kommt erstmal lange nix bis zu den Stiefeln. Das Geld fuer Strumpfhosen ist wahrscheinlich beim Friseur (nach Restaurants und Convinis wohl das haeufigste Geschaeft) mit draufgegangen. Der Anblick ist kaum zu ertragen. Kann Ihnen denn keiner sagen, dass es kalt ist. Und man kann auch auf das Knie fallen.

Egal, uns Auslaendern wird empfohlen, moeglichst durch warme schneefreie Shopping Malls zu schlendern. Kleine Schritte und bloss keine Eile. Die Einkaeufe in einen Rucksack packen und beide Haende freihalten, also ja nicht in die Hosentasche. An Strassen mit Heizung beachten wir den Hoehenunterschied zum schneebedeckten Gehweg und wenn wir in den Bus einsteigen, geben wir besonders acht, denn dort ist es besonders rutschig. Aber was machen wir mit all den alten Leuten, die vor uns hinfallen, mit Armen und Beinen zappeln und ganz ungluecklich dreinschauen. So loest man das Altersproblem doch auch nicht!

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ABM auf Japanisch

Dezember 19, 2007 · Kommentar schreiben

In Japan gibt es kaum Arbeitslosigkeit und wenn man sich hier umschaut, wird auch schnell klar warum. Es gibt sehr viele Servicejobs, die keinen wirklichen Nutzen haben. Wenn man genauer hinschaut sind viele nur damit beschaeftigt, z.B. die Chipstueten immer wieder geradezuruecken. Trotzdem muss immer der Eindruck der wichtigen Taetigkeit entstehen. Also auch die bloedesten Jobs werden voller Stolz und Pflichtbewusstsein erfuellt. Hier jetzt drei Beispiele von Berufen, die es so in Deutschland nicht gibt:

Willkommensschreier sind meistens Frauen, die vor Geschaeften stehen und „Willkommen“ und „Gucken Sie mal“ schreien. Dabei halten sie dann z.B. eine Schachtel Pralinen oder eine Tafel mit Bildern von Speisen hoch. Ich weiss nicht, ob japanische Frauen nicht anders schreien koennen, aber die Stimmen klingen immer wie quengelige Kinderstimmen. Es scheint auch eine Standardtonlage zu gehen, denn die Schreie klingen immer gleich. Haeufig stehen die Frauen vor den Bahnhofsgeschaeften. Die meisten Bahnhoefe sind gleichzeitig Shoppingmalls und auf dem Weg vom Zug zur U-Bahn legt man gerne mal einen Weg durch mehrere Kaufhaeuser zurueck, wie heute in Sapporo, eingerahmt vom Singsang der Frauen.

Bahndammwaerter fuer U-Bahnen gibt es in Berlin nicht mehr und hier in Japan wird das besonders zelebriert. Es gibt eine imposante Uniform mit Muetze fuer Maenner und Frauen. Kurz bevor der Zug einfaehrt zeigt der Waerter mit einem Stab in Richtung des Zuges und schwingt diesen dann wie eine Keule in die andere Richtung. Quasi als ob er dem Zug den Weg zeigen moechte. Dabei guckt er ganz, ganz wichtig und streng. Die Reisenden halten sich also von der Bahnsteigkante fern, aber das tun sie ja sowieso, denn sie stehen in den mit Linien auf dem Boden markierten Warteschlangen. Manchmal gibt es fuer die Bahnsteigwaerter Stress und dann fangen sie an zu laufen. Dabei versuchen sie aber moeglichst unauffaellig zu laufen. Bleiben mit dem Oberkoerper gerade und versuchen sich eher wie Geher zu bewegen. Kaum liegt etwas Muell auf dem Boden, so eilen sie herbei. Leider sind die Bahndammwaerter mit Herumfuchteln und Herumlaufen und Herumgucken immer so beschaeftigt, dass man sie nie etwas fragen kann.

Autowinker stehen meist an Baustellen oder an Ausfahrten von Parkhaeusern oder Firmen. Sie sind auffaellig mit Reflektorstreifen versehen und tragen einen Leuchtstab. Kommt ein Auto gefahren, dann winken sie es heraus oder vorbei. Das klingt jetzt vielleicht erstmal notwendig, aber in Deutschland ist man bisher auch immer von allein aus dem Parkhaus gekommen… Die Groesse der Baustelle scheint in Japan auch keine Rolle zu spielen. Ich habe schon Minibaustellen in kleinen Nebenstrassen gesehen. Da haben zwei Menschen auf 8m Strasse aufgepasst. Den ganzen Tag. Schoen in der Kaelte auf Autos warten. Und dann immer schoen verbeugen fuer die Unannehmlichkeit, die man dem Autofahrer bereitet. Diesen Job haben meist aeltere Maenner.

Ausserdem gibt es noch Fahrstuhlfuehrer, an-der-Kasse-im-Restaurant-Sitzer, Automat-mit-drei-Tasten-Erklaerer, Tueraufmacher… Und ich waere gern Autowinker-mit-heissem-Tee-Versorger.

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10:00:00 Uhr

Dezember 17, 2007 · 1 Kommentar

In meinem Japanischkurs gab es eine Lektion, in der Pierre Littbarski vor einem Kaufhaus in Japan um 9:50 Uhr jemanden fragt, wann denn das Kaufhaus oeffnet. Es oeffnete um 10 Uhr. Den Dialog fand ich damals schon komisch, aber war ja auch nur zum Lernen. Jetzt hier wirkt der Dialog noch komischer, da sich bereits einige Minuten vor Kaufhausoeffnung lange Schlangen vor den Tueren bilden. Natuerlich wieder mehrere geordnete Schlangen. Hinter den Glastueren stehen wichtige Angestellte und warten auf den Countdown. Die Mitarbeiter stehen alle auf Ihrem Platz, gerade, Haende an der Hosennaht und warten auf die Oeffnung. Fuer mehrer Minuten. Es ist alles bereit und alle warten auf das Kommando es Verantwortlichen. Starre Gesichter. Keiner bewegt sich mehr. Punkt Zehn sagt er dann was und die Menschen stroemen geordnet in ihren Kaufrausch. Grossartiges Schauspiel. 

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Sobald der Himmel dunkler wird…

Dezember 12, 2007 · Kommentar schreiben

Japan ist sehr gut organisiert. Kaum fängt es an, nach Regen zu riechen, startet an jeder Ecke der Regenschirmverkauf. Nahezu jedes Geschäft hat welche im Angebot. Kosten meist so um die drei Euro. Am beliebtesten ist der tranparente, aber auch die schwarze Version wird oft gesehen. Mit diesem Schirm rennt man dann auch nicht so wie es mir passiert ist, ins nächste Geschäft und tropft den Laden voll, nein. Es gibt Schirmtüten, in die man den Schirm schiebt, in der manuellen und in der automatischen Version. Manchmal gibt es auch nur ordinäre Schirmständer, diese aber manchmal nach Münzeinwurf zum Abschließen. So sieht Ordnung aus.

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