Henrike’s Weblog

Mit den Tags ‘Onsen’ versehene Einträge

Japanische Alpen

Dezember 30, 2007 · Kommentar schreiben

Ich fahre nach Nozawa Onsen, denn dort gibt es Berge zum Skifahren und 13 Onsen, fuer eine Onsen-Hopping-Tour nach einem Tag auf den Pisten. Scheint in Nagano die Sonne noch auf trockene Buergersteige, so versinkt Nozawa im Schnee. Langsam klettere ich mit Gepaeck die steilen, verwinkelten Gassen zum Hotel hinauf. Lodge Nagano wird von Australiern gefuehrt und ich werde erstmal nicht empfangen. Kein Tee, keine Suessigkeiten. Nach einigen Minuten kann ich aus den herumluemmelnden und laermenden Leuten eine Frau als Mitarbeiterin ausmachen. Ich moechte einchecken. Name. Aha. Ob ich eine Reservierungsbestaetigung habe. Jo. Es scheint Probleme zu geben, jedenfalls verschwindet sie kommentarlos. Nach zehn Minuten kommt sie in Begleitung wieder. Ob ich meine Reservierungsbestaetigung zeigen kann. Ich zeig Ihnen vier E-Mails, die ich bereits von Ihnen bekommen habe. Eine grosse Diskussion beginnt und ich verstehe wenig. Am Ende werde ich von einem befreundeten Ehepaar des Hauses in eine andere Pension mitgenommen. Dort bleibe ich fuer zwei Naechte, dann komme ich zurueck zur Lodge Nagano und kann nach einer Nacht im Keller endlich in meine gebuchte Bleibe wechseln. Der Teppichboden hat diverse undefinierbare Flecken. Koennte Blut sein. Entgegen japanischer Gewohnheiten lasse ich die Schuhe an. Wird hier aber auch nicht anders erwartet.

Kurz nach meiner Ankunft werde ich zur Besaenftigung gleich auf die Piste geschickt. Die Sonne scheint und man hat eine fantastische Sicht. Manchmal kann man wohl auch das Japanische Meer sehen. Ueberall glitzert der Schnee, die Gondolas rattern langsam nach oben. Keine Musik stoert die Idylle. Die Pisten sind fast leer und als meine australische Begleitung von icy slopes spricht, gucke ich verstaendnislos. Selten so guten Schnee gehabt, fast Neuschnee. An den Liften steht selten jemand vor mir und wenn warte ich maximal vier Gondeln. Es gibt extrem breite Anfaengerhaenge, die so soft abfallen, dass ich gleich auf den Gipfel will. Dort ist es besser und noch weniger Menschen wedeln herunter. Am Abend probiere ich den Panoramic Course und kaempfe mit meiner Hoehenangst. Gute Sicht hat auch ihre Nachteile. Die Berge sind sehr hoch und fallen oft sehr steil ab, so dass die Pisten oben auf dem Kamm herunterfuehren. Dieser ist z.T. sehr schmal und am Rand weder mit Stangen markiert noch gibt es Fangnetze, die einen davon abhalten, fuer immer von der Piste abzukommen. Mehrmals muss man groessere Anhoehen meistern, was dazu fuehrt, dass man versucht mit viel Tempo anzusausen, um nicht wie die Snowboarder hochstapfen zu muessen. Rechts und links lauert der Abgrund, vor einem noch eine leichte Kurve, die Geschwindigkeit nimmt langsam unkontrollierbare Ausmasse an und dann kommt ein letztes Zeichen japanischer Regulierungswut. Mitten auf der engen Piste steht ein grossen Banner mit einem SLOW drauf. Doch an diesem Punkt ist bereits alles zu spaet, das Schild nur noch ein Hindernis und die Rechts- als auch Linkspassage ein gefaehrliches Manoever. Oben auf dem Berg freut man sich, dass man noch da ist und saust weiter.

Das Skigebiet ist nicht mit anderen verlinkt, doch man kann trotzdem ein paar Tage Spass haben. Die schwarzen Pisten sind fast leer, was daran liegen mag, dass die Japaner nicht lange in den Urlaub fahren und sich in anderthalb Tagen nicht viel lernen laesst. Es wird sehr ruecksichtsvoll gefahren und ich freue mich, dass ich mich mit Skibrille unauffaellig bewegen kann. Endlich kein komischer Auslaender mehr. Nur am Lift sitzt man meist allein in seiner Gondel. Gruende der Hoeflichkeit verbieten es, quasi zu einem Fremden einzusteigen. Ich mache es trotzdem manchmal, aber es gibt nie Gespraeche. Werden Verletzte geborgen, bleibt niemand stehen und glotzt, alle fahren unauffaellig weiter. Nur in den ueberfuellten Restaurants sitzt man zusammen an den langen Tischen und ich lerne sehr nette Leute kennen. Die Auslaender essen meist etwas aus dem Automaten oder haben sich etwas mitgebracht und so sitzt man zwischen vielen, vielen Japanern und isst erschoepft seine heisse Nudelsuppe. Ueber den Restaurants gibt es oft Ruheraeume, in denen man sich etwas aufwaermen kann ohne etwas essen zu muessen.

Noch etwas zu den Liften. Warum auch immer gibt es keine Schlepplifte. Nur Sessel und Gondolas. Die Sessellifte haben meist keinen Sicherheitsbuegel und somit auch keine Moeglichkeit, die Ski abzusetzen. Die Schwerkraft zieht die Beine nach unten und wenn der Wind den Sessel wackeln laesst, halte ich mich aengstlich fest. Hier gibt es noch Potential in der ansonsten nach fuer den Kunden nach Bequemlichkeit suchenden Gesellschaft. Aber vielleicht wollen Japaner auch mal nicht eingezwaengt sein.

Viele Lifte haben deutsche Namen. Es gibt den Schneidercourse und viele Pisten heissen Gelaende. Pension Schnee ist sehr beliebt, der Tannenhof auch und mit St. Anton wird eine Staedtepartnerschaft gepflegt. Die Oesterreicher haben den Skisport nach Japan gebracht und ueberall gibt es noch Zeichen davon, ohne das deutschsprechende Touristen anwesend waeren. Stattdessen ist das Skigeschaeft immer mehr in australischer Hand, sehr zum Unmut der Einheimischen, wie ich in einem kleinen Cafe erfahre. In meinem australischen Hotel gibt es zum Fruehstueck nur Toastbrot und Marmelade. Keinen Reis, kein Gemuese, keinen Fisch, keine Misosuppe. Nicht dass ich mich nach dem Fisch sehne, aber ein bisschen Reis… Das Hotel liegt preislich weit unter den japanischen und durch eigenen Skiverleih helfen sie den Gaesten, moeglichst wenig mit den Japanern in Kontakt zu kommen. Wenn jemand abends essen gehen will, fragt das Personal, ob vielleicht Pizza oder Fisch und Chips angenehm waeren. Von den Cafes oder der Karaokebar, die ich in drei Tagen kennengelernt habe, hatten sie noch nichts gehoert. In dem Ort leben 4000 Leute, da sollte man eigentlich schnell alle Moeglichkeiten kennen. Aber vielleicht liegt es auch an den Gaesten. Einer amerikanischen Familie wurde der Fruehstuecksraum gezeigt, woraufhin sie antworteten, sie waeren auf alles vorbereitet und haetten ausreichen Lebensmittel wie Wuerstchen dabei. Aaaah.

Die Gefahr, auf nackte Amerikanerinnen in den Onsen zu treffen ist auch relativ gering. Es ist lustig, wie am Abend unzaehlige Einheimische und Gaeste zu den Onsen pilgern, bewaffnet mit einem Handtuch und einem Stueck Seife, manche nur in der japanischen Version eines Bademantels. Das Wasser ist tendenziell immer etwas zu heiss, aber nach einem Tag auf der Piste ist das egal. Das warme Wasser sprudelt froehlich aus dem Erdinneren und entspannt die Muskeln. Kleine Maedchen quietschen, weil es zu heiss ist und sie sich nicht reintrauen. Andere springen mutig rein und geniessen die Anerkennung der Erwachsenen. Alte faltige Frauen waschen sich langsam und gruendlich, so, also wollten sie noch ein bisschen laenger nicht zuhause sein. Das Becken selbst ist relativ klein, vielleicht zwei mal drei Meter und ringsherum ein Gemisch aus mueden Muettern und quirligen Touristinnen.

Das Maenner- und Frauenbad sind durch eine hohe Wand getrennt. Die Frauen scheinen sich in der Abwesenheit von Maennern zu veraendern. Sie sprechen nicht mehr so hoch, es wird nicht mehr gekichert, sondern gelacht. Die Blicke sind nicht gesenkt, sondern stolz und auch entspannt. Die Stimmen und Geraeusche der Maenner dringen durch die duenne Holzwand und manchmal beginnt eine Konversation ueber die Wand hinweg. Dabei scheinen die Frauen viel frecher als sonst und es gibt viel Gelaechter. Am Ausgang treffen dann alle wieder aufeinander.

Die naechsten Tage schneit es unaufhoerlich und nur am Wochenende werden die Pisten voller. Der Skipass ist etwas guenstiger als in Europa und so kann man das Skifahren in Japan nur empfehlen (140 Euro fuer 6 Tage). Auch bei schmalerem Budget wuerde ich das naechste Mal die Pension Schnee oder ein anderes japanisches Hotel dem australischen Hotel vorziehen. Der Service ist einfach viel besser. Und man kann nicht die ganze Nacht im Onsen bleiben…

Kategorien: Japan · Reisen
Mit Tag(s) versehen: , ,

Junko und Juko

Dezember 27, 2007 · Kommentar schreiben

Der Hospitality-Club ist ein gute Erfindung. Man gibt Leuten kostenlos Unterkunft oder kann bei anderen kostenlos unterkommen. Da japanische Wohnungen fuer gewoehnlich sehr klein sind und junge Leute meist bei Ihren Eltern wohnen, ist das keine so gute Idee. Also habe ich mich mit Junko aus Nagano zu einem Ausflug verabredet. Junko kam mit ihrer Freundin Juko und einem komplett organisierten Expeditionsprogramm. Erst ging es mit dem Auto in die Berge, wo wir durch einen riesigen Zedernhain (oder Pinien?) zu einem Tempel gestapft sind. Es soll Baeren geben, aber momentan ist gluecklicherweise Winterschlaf angesagt. Es gab keine Touristen, obwohl es wunderschoen war. Man musste ungefaehr eine Stunde einen graden Weg durch eine Art Allee den Berg hochklettern und dann wieder runterrutschen. Junko und Juko hatten sogar Handschuhe fuer mich dabei, denn ich wusste von nichts.

Dann haben wir das Luxushotel, in dem Junko arbeitet, besichtigt. Danach die Sakebrauerei, in der Juko arbeitet. Ich wurde dem Boss vorgestellt und den langjaehrigen Mitarbeitern, was eine grosse Ehre ist. Also tiefste Verbeugung. 90 Grad runter. Das war sehr lustig. Und Sakebrauerei, das ist schon war. Dagegen war das Biermuseum gar nix.

Naechster Programmpunkt war ein japanisches Abendessen im angeschlossenen Restaurant. Superschoen. Wir hatten unzaehlige Schaelchen von Leckereien und irgendwann fing der Kuechenchef an, uns kleine Gruesse zu schicken. Kuchen mit Kerzen, weil wir drei bald Geburtstag haben oder Maroneneis, eine Spezialitaet der Stadt. Das Restaurant war aus dunklem Holz und es gab kleine Nischen fuer die Besucher. Die Kueche war offen in der Mitte und mit traditionellen Oefen und Kochgeschirr bestueckt, also kein elektrischer Reiskocher, sondern ein riesiger Holzofen. Mein Lieblingsschaelchen war mit frittierten Kraeutern bestueckt, in die Reis und Shrimps eingewickelt waren. Immer wenn ein Gast kam, ging oder etwas bestellt, wurde im Chor war gerufen, und als Zeichen am Ende noch ein schmissiges „HAI“ gesetzt. Das bedeutet ja und ich musste jedesmal lachen, was wiederum Junko und Juko zu komisch fanden. Ausserdem war das die Gelegenheit, den Sake aus Jukos Brauerei zu testen. Dort wird alles noch manuell hergestellt und der Sake war ein Traum, sehr weich und leider musste ich mich zurueckhalten, da der letzte Programmpunkt Onsen hiess.

Oder Superonsen. Wir luemmelten im heissen Wasser auf einem Berg, ueber uns der Sternenhimmel, fast Vollmond und vor uns die Lichter von Nagano und die Berge. Das Wasser dampft und duftet nach irgendwas. Wieder keine Touristen. Nur wir drei Schnatterlieschen. Wir waren vorher noch kurz im Hotel, um einen Lieblingsmitarbeiter von Junko zu sehen. Die ganze Unterhaltung war auf Japanisch und ich hatte den Eindruck, er will, dass wir gehen. Aber die beiden haben mir danach gesagt, dass er wollte, dass wir bleiben, aber der Superonsen war unsere Ausrede. Ich bin nachwievor ueberrascht, wie sehr man sich taeuschen kann, wenn man sich nur auf Gestik und Mimik der Japaner stuetzen kann.

Junko und Juko hatten jedenfalls alles perfekt vorbereitet. Es gab Handtuecher, Cremes und Aepfel fuer danach. Aepfel sind hier sooo teuer, aber schmecken komischerweise besser. Danach haben sie mich noch zum Hotel gefahren, bzw. erst verfahren und wir haben lustige Fotos gemacht. Also checkt www.hospitalityclub.org und lernt Junko und Juko kennen. Die beiden warten noch auf die grosse Liebe, aber ich vertraue da ganz auf das Jahr der Maus.

Kategorien: Japan · Reisen
Mit Tag(s) versehen: , ,

Mt. Aso will nicht

Dezember 14, 2007 · Kommentar schreiben

VulkaneDie Nacht war nicht so gut. Der Heizluefter hing wie schon gesagt an der Decke und hat diese sicherlich auch gut angewaermt, aber der Boden war sehr kalt. Reispapierwaende sind keine gute Isolation. Kann man keine Bodenheizung mit erbebensicheren Plastikschlaeuchen bauen, wenn man schon auf dem Boden schlafen muss. Zum Glueck gab es unzaehlige Decken fuer meine Hoehle. Was wirklich fehlte war eine Muetze. Der Wind ruettelte an den Waenden. Und ich glaube, ab und zu habe ich den Vulkan grummeln hoeren. Zumindest habe ich es mir eingebildet.

Jedenfalls war Mt. Aso am naechsten Morgen immer noch wolkenverhangen. Ich bin trotzdem hochgefahren und der Nebel war so dicht, dass ich kaum den Weg vom Bus zum Vulkanmuseum gefunden habe. Man konnte nur so 2-3 Meter weit sehen. Das Museum war eher langweilig, weil eigentlich wollte man nur den Vulkan sehen und keine schlechten Videoaufnahmen. Aber das Wetter wollte und wollte nicht umschlagen.

Egal, warum auch nicht, bin ich halt zwei Stunden nach Kumamoto gefahren, habe mir fuer eine halbe Stunde die Burg angesehen, und bin dann zwei Stunden zurueckgefahren. Die Burg war schoen. Und danach gab es wieder Onsen. Diesmal wieder einige Gespraeche, aber ich kann einfach noch nicht gut genug Japanisch.

Noch eine schoene Geschichte vom Morgen. Ich habe gerade solche gefuellten Hefekloesse entdeckt, die heiss verkauft werden, und wollte einen am Bahnhof kaufen. Die alte Frau wollte mir aber keinen geben, weil sie noch nicht heiss waren. Etwas spaeter kam sie wieder von hinten hervor und hat mir einen sehr schoen verpackten Keks aus regionaler Herstellung geschenkt. Dann kam auch schon der Zug und ich habe es gerade noch geschafft, Ihr eine Packung Luebecker Marzipan zu schenken. Super, oder.

Kategorien: Japan · Reisen
Mit Tag(s) versehen: , ,

Alle Kuehe heissen Uschi

Dezember 12, 2007 · Kommentar schreiben

Ich bin auf dem Land angekommen und hier ist es sehr lustig. Schon im Zug war kein einziger Auslaender und da es regnet, waren ausser mir nur noch zwei weitere Touristen dabei. Ansonsten Einheimische, die sehr nett und neugierig sind. Kaum einer spricht Englisch, aber man kann trotzdem gut kommunizieren. Hier wird gerne mal gelacht und ich werde neugierig angeguckt.

Heute wird auch meine erste Nacht in einem traditionellen japanischen Hotel sein. Also unten Schuhe ausziehen und dann nach oben ins Zimmer. Meins ist 6 Tatamimatten gross, also ausreichend Platz fuer meine europaeischen Beine. An Mobiliar gibt es einen niedrigen Tisch und zwei Sitzkissen. Ausserdem gibt es eine Veranda fuer das Gepaeck. Fuer die Nacht wird dann ein Futon und Bettzeug aus dem Schrank geholt. Die Heizung haengt oben an der Wand und sieht aus wie an groesserer Haendetrockner. Das geht aber irgendwie. Theoretisch habe ich auch einen gigantischen Blick auf den Vulkan. Ich glaube, ich bin der einzige Gast im Hotel, wie gesagt, das Wetter ist gerade sehr oll. Trotzdem habe ich heute brav mein Sushi aufgegessen und mir ist schon wieder etwas schlecht, aber morgen soll unbedingt die Sonne scheinen, damit ich den Rauch im Vulkankrater sehe.

Toll war auch gerade mein erster Onsenbesuch. Das sind Baeder mit Wasser aus heissen Quellen, z.T. draussen, aber immer sehr heiss. Und es gab auch eine Sauna mit Fernseher. Tolle Idee, ich verstehe ja kaum etwas, aber „public viewing“ ist immer prima. Jetzt geht es mir auf jeden Fall gut und ich werde gleich mal in mein kleines Reich spazieren und noch ein paar Kanjis ueben.

Sayoonara

Kategorien: Japan
Mit Tag(s) versehen: , , ,