Henrike’s Weblog

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Japanische Ohren

Januar 16, 2008 · Kommentar schreiben

Heute habe ich eine Polizeisirene gehoert. Hoert man nicht oft. Keine hupenden Autos, dabei ist es bestimmt nicht verboten. Stattdessen spielen viele Ampeln eindringliche Melodien waehrend ihrer Gruenphase. Ich habe bisher drei verschieden Versionen ausgemacht und erwarte etwas mehr Kreativitaet bei der Auswahl der Ohrwuermer.

Auf den Strassen, in der U-Bahn, beim Schlangestehen vorm Restaurant, ueberall verhalten sich die Japaner ruhig. Es wird nie geschrieen. Sogar die Kinder sind ruhig. Die einzigen kleinen Nervensaegen habe ich bei den Australiern in Nozawa Onsen erlebt. Alles unterliegt einer Ordnung, aus der man nicht herausfallen sollte. Und doch gibt es Dinge, die einem unangenehm auffallen. Da waeren die schlurfenden Fuesse. Mehr junge, als alte schlurfen mit den Fuessen. Oft scheint es wie eine Art Rebellion. Aber das japanische Ohr wird dadurch nicht gestoert. Nur ich drehe mich nervoes um und bleibe auch gerne mal stehen und lasse das Schlurfen an mir vorbeiziehen. Komisch, wie man nur durch Erziehung ein Geraeusch nicht mehr ertragen kann. Genauso das Nasehochziehen. Ausschnauben ist nicht erlaubt und so ziehen flache Schnupfnasen soweit moeglich alles hoch. Der Rest tropft in den Gesichtsschutz oder in die Suppe. Einmal sass neben mir eine junge Frau in der U-Bahn, die die gesamte Fahrt geraeuschvoll schniefte.

Das wohl bekannteste japanische Geraeusch ist das Nudelsuppenschluerfen. Im Selbstversuch habe ich festgestellt, dass bei dieser Art die Suppe zu essen viele Spritzer in Richtung Gesicht und Pullover fliegen. Das sieht danach nicht gut aus und bis jetzt habe ich nur in einem Nudelrestaurant ein Laetzchen bekommen.

Dann gibt es noch eine offensichtliche Liebe fuer laute Durchsagen. Im Skilift gab es kaum eine Fahrt ohne Durchsagen der Art: Es wurde ein Autoschluessel gefunden. Dieser kann im Skizentrum abgeholt werden. Oder: Der Lift beendet in 30 Minuten seinen Betrieb. Am Wochenende fahren Autos mit Lautsprechern durch die Staedte, aus denen politische Parolen durch die Strassen schallen. Dabei geht es wohl gerne mal gegen Auslaender, aber ich verstehe nichts davon. Polizisten sind oft mit Megaphonen bewaffnet und benutzen diese auch gern.

Der Megagau sind die Pacinkohallen. Ich habe bisher noch nicht gewagt, eine zu betreten. Doch immer wenn eine Tuer aufgeht, fliegt man fast von dem austretenden Laerm auf die andere Strassenseite. Die Geraeusche von allen Automaten werden anscheinend verstaerkt. Diverse Musik donnert uebereinandergelagert durch die Luft. Doch die Japaner sitzen unbeeindruckt vor ihren Automaten und spielen einsame Spiele. Ich stehe vor der Scheibe und weiss nicht, wie das geht. Ist es vielleicht eine Art Droge, die nach einem Tag voller Ruhe wieder etwas Leben in die Ruebe bringt. Der Selbstversuch wartet noch auf mich.

In der Kappabashi-Strasse wurde heute zum Geschaeftsschluss um 17:30 Uhr die Abschiedsmelodie gespielt, die schon beim letzten Lift in Nozawa Onsen erklang. Das war sehr schoen. Angeblich handelt es sich um ein schottisches Lied.

Hinter mir laermen gerade wieder Australier rum. Kein Hostel ohne. Warum koennen sie nur schreien? Zuviel Pacinko gespielt, ich weiss es nicht.

Kategorien: Japan · Reisen
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Hareruya in Matsumoto

Dezember 25, 2007 · Kommentar schreiben

Schon vorher hatte ich mir Matsumoto als die Stadt fuer Weihnachten ausgesucht. Zweihundertundirgendwastausend Einwohner und eine tolle Burg. Schon die Mitarbeiterinnen in der Touristeninformation im Bahnhof waren supernett und konnten sehr gut Englisch. Das Hotel war so nett und hat mich vom Bahnhof abgeholt, obwohl ich meine Anreise zeitlich nicht richtig angemeldet hatte. Statt in zwanzig Minuten kamen sie in fuenfundzwanzig Minuten und haben sich dafuer mehrmals entschuldigt. Dieser Puenktlichkeitswahnsinn ist zum Schreien. Vorm Ryokan (japanisches Hotel) stand auch ein „Welcome Mr. Henrike Schulz“ Schild. Grossartig. Das Zimmer sehr schoen mit Blick auf den Fluss, aber das Beste befindet sich im Keller, das japanische Bad mit grossem Badebecken. Am ersten Tag habe ich es geschafft, meinen Fuss kurz reinzuhalten, am zweiten lag ich dann schon ganz im Wasser. Komme also langsam hier an.

Das Hotel verleiht umsonst Fahrraeder und das ist fuer die Entdeckung von Matsumoto sehr praktisch. Es gibt zwar leichte Huegel, aber vom Hotel in die Stadt rollt man 10 Minuten den Berg runter. Als erstes wurde natuerlich die Burg besichtigt. Die ist sehr schoen und die ganze Aufbereitung ist besser als in Kumamoto. Es gibt viele englische Tafeln und die steilen Treppen und niedrigen Durchgaenge machen viel Spass. Ausserdem standen keine Touristenbusse vorm Eingang. Drumherum gibt es einen schoenen Park und drei Wassergraeben mit Kois, was auf Japanisch soviel heisst wie Karpfen.

Dann gab es eine kleine Fahrradtour in Richtung Ukiyo-e-Museum durch die Stadt und ueber sonnige Reisfelder, im Hintergrund immer die riesigen Gebirgszuege mit Schneezipfeln. Jedenfalls hat das Radfahren soviel Spass gemacht, dass ich vergessen habe, die Ampeln zu zaehlen und irgenwann schon im naechsten Ort war. Aber es war schoen. Das Museum ist sehr interessant. Die haben eine extrem grosse Sammlung und zeigen immer nur einen kleinen Teil. Kann jemand diesem Museum Geld fuer die Heizung spenden? Innen war es kaelter als draussen. Aber vielleicht muessen die Drucke ja gefroren aufbewahrt werden. Ein Mitarbeiter des Museums lud mich dann noch zu einem Diavortrag ein, ich war zu dem Zeitpunkt die einzige Besucherin. Also sass ich in einem verdunkelten Raum, vor mir die Leinwand und hinter mir der aeltere Mann der mit wichtiger Kehlkopfstimme einen Vortrag auf Englisch hielt. Dabei gab es immer so kleine Hinweise, wie in Japan haben schon alle Lesen und Schreiben lernen duerfen, als es in Europa nur einer Elite moeglich war. Ich werde das ueberpruefen.

Dann ging es zurueck in die Stadt zu meinem schon am Vorabend ausgesuchten Ramenrestaurant. Ramen mit Kimchi. Lecker. Dann war es dunkel und sehr kalt. Der Mond kam langsam hinter den Schneemuetzen der Berge hervorgekrochen. Erst waren die Wolken von hinten beleuchtet und dann lugte er hervor und war riesengross. Vollmond an Heiligabend. Jedenfalls kam ich auf die Idee, eine Kirche zu suchen. In meinem Stadtplan waren drei eingezeichnet. Die erste war katholisch, die zweite sah aus wie eine Schule und in die dritte habe ich dann vorsichtig hereingeschaut. Ich wollte nur mal gucken, aber sofort winkten alle, ich solle hereinkommen. Ich wollte nur kurz mein Rad anschliessen, aber schon kam eine junge Frau raus und hiess mich willkommen. In einer halben Stunde war Gottesdienst.

Willkommen in der anglikanischen Kirche von Matsumoto. Erstmal Schuhe aus und Puschen an. Drinnen war es warm und es gab auch zwei alte Oefen mit Wasserkesseln drauf. Jeder bekam eine Kerze und ein Heft mit den Texten und Liedern. Alles in Japanisch und ohne Auslaender. Dann ging das Licht aus und die Kerzen wurden angezuendet. Es gab eine kleine Orgel und ca. 60 Japaner sangen wunderschoen die Weihnachtslieder. Das Karaoke-Training war nicht zu ueberhoeren. Wenn in Deutschland die Langsamkeit der Kirchenlieder an den Nerven zerrt, so hat sie mir hier doch das Mitsingen ermoeglicht. Ein Grossteil des Textes war in Hiragana geschrieben und die Aussprache der wenigen Kanjis hatte man schnell raus. Die junge Frau hat mich auch immer ueber den groben Inhalt der Texte aufgeklaert. Es war sehr schoen. Die japanische Version von „Stille Nacht“ und „Kommet Ihr Hirten“ ist phaenomenal. Die vielen Vokale passen viel besser zum Gesang. Vielleicht finde ich ja in Tokyo noch eine CD, wird aber bestimmt schwierig bei diesem Nischenprodukt. Kirchenglocken gab es nicht, dann Krach machen duerfen hier nur die Tempel.

Danach wurde ich noch zu Kuchen und Tee eingeladen. Alle kuschelten sich in den kleinen Nebenraum und plauderten fleissig. Es gab viele Kinder und war sehr lustig. Jeder, der ein paar Worte Englisch oder Deutsch konnte, wollte mir mir sprechen und es wurden auch fleissig Fotos gemacht. Am Ende habe ich noch Suessigkeiten und Clementinen bekommen. Ich wurde dem Pfarrer vorgestellt und gesegnet. Alle waren sehr nett. Das Herz hopste und ich konnte nur noch gluecklich ins Bett fallen.

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Noch ein kleines Liebeslied fuer Sapporo

Dezember 22, 2007 · Kommentar schreiben

RamenOkay, es gibt die glatten Gehwege und die glatten Strassen, aber man gewoehnt sich ziemlich schnell an das UeberdasEisGeschlurfe und im Gegensatz zu dem sonst so hektisch turbulenten Japan ergiebt sich ganz automatisch eine angenehme Langsamkeit. Das Fehlen von wirklichen touristischen Highlights schafft eine sehr angenehme Atmosphaere. In drei Tagen habe ich keine zehn Nichtasiaten gesehen. Es kommen wohl einige aus Taiwan und Korea, aber die moegen vielleicht auch kein Sightseeing.

Das Grossartige in Sapporo ist naemlich nicht der hundertste Tempel auf der Besichtigungsliste, sondern das Essen. Es gibt ueber tausend Ramenrestaurants, sogar eine Ramenallee und aktuell ein Ramendorf im Kaufhaus mit den besten Ramenrestaurants von Hokkaidoo. Die Stadt hat 1,8 Millionen Einwohner und alle scheinen permanent essen zu gehen. Ueberall nur Restaurant und man kann gar nicht schnell genug wieder Hunger bekommen, so lecker schmeckt alles. 

Ramen schmeckt ueberall anders. Immer ist die Bruehe unterschiedlich, die Nudeln mal weicher, mal bissfester, Gemuese, Fleisch, Fisch in immer anderen Kombinationen. Was ich definitiv nicht mag ist dieses gesuesste Omelettquadrat, aber ansonsten traeume ich Ramentraeume und hoffe irgendwann die neunhundertundirgendwas restlichen Ramenshops testen zu koennen.

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Nudelsuppe

Dezember 9, 2007 · Kommentar schreiben

Zu diesem Beitrag wird es definitiv keine Bilder geben. Mir ging es gestern richtig schlecht. Ich habe einen sehr guten Magen. Bin durch zahlreiche mexikanische Strassenrestaurants getingelt, aber gestern hat es mich richtig erwischt. Ich habe es noch gerade so ins Hotel geschafft. Grosse Panik in der U-Bahn, denn wenn man hier nicht mal niesen darf… Dann hing ich in meiner Schlafbox ueber dem Muelleimer und hab an die Prophezeiung aus dem Tempel gedacht, die sagte, ich habe ab jetzt nur noch Unglueck. In jeglicher Hinsicht. Schuld ist wahrscheinlich eine Nudelsuppe mit udon und frittiertem Fisch. Ich habe sie fotografisch dokumentiert, aber na ja, ich will sie nie wieder sehen.

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