Henrike’s Weblog

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Das Knarzen von Nagano

Dezember 29, 2007 · Kommentar schreiben

Wer kent Nagano? Doofer Witz, aber naja, man erwartet Grosses. 1998 Winterolympiade. Doch haette man vorher etwas besser recherchiert, wuesste man, dass Nagano eine eher kleine Stadt ist und der Glanz olympischer Spiele laengst verblichen. Es gibt noch die obligatorischen Bausuenden, die Riesenparkplaetze und Riesensportarenen. Doch die Tribuene der Preisverleihung rottet nun als Grenze eines Parkplatzes in der Innenstadt vor sich hin.

Besonders hervorheben moechte ich aber mein Hotel Oyado Kenenkan. Ein kleiner, verbliebener Glanzpunkt in Nagano-Stadt. (So sagt man, denn es gibt auch Nagano-Landkreis). Das Hotel befindet sich zwischen Bahnhof und dem Tempel Zenkoo-Ji, der Hauptattraktion, in einer Nebenstrasse. Die Aussenseite schmueckt eine Shinkansennase. Japaner sind unheimlich stolz auf ihre Zuege. Sie sind schnell, puenktlich und sagen wir mal modern. Doch was hat das Shinkansennaeschen mit dem Hotel zu tun. Es ist einfach nur alt. Tritt man ein, kommt sogleich der Besitzer, der schon einige Olympiaden erlebt hat, aus seinem Buero gewuselt. Man wird herzlich begruesst und ausgefragt. Hier pflegt man noch die Landessprache. Im Buero gibt es eine prima Couchecke, direkt neben dem Hausaltar, der Souvenirsammlung und den Dingen, die sich in 200 Jahren so ansammeln. Jetzt weiss ich, warum es keine Homepage gab.

Die Dame des Hauses bringt erstmal Tee und eine lokale Suessspeise. Wieder die gleiche Prozedur wie in ganz Japan. Ich steckt das Ding freudig in meinen Mund und mache dann begeisterte Geraeusche waehrend mich die Gastgeber erwartungsvoll anschauen. Wenn man danach „ooishiiii“ sagt, ist alles gut. Die ganze Atmosphaere verbietet es, das Gesicht zu verziehen oder auch nur neutral zu gucken. Das Preisen lokaler Speisen gehoeren zum Protokoll beim Kontakt Einheimischer mit Unwissenden. Die Suessigkeit war jedenfalls suess und zerkruemelte im Mund. Also alles gut, wenn sie nicht zerkruemelt ist, weil sie so alt wie das Hotel ist… Ich bin mittlerweile sehr vorsichtig.

Das Hotel wurde aus dunklem Holz gebaut. Es knarzt, wenn man die steilen Treppen emporsteigt. Die Flure sind dunkel und verwinkelt, doch der Fussboden glaenzt und das Zimmer ist sauber. Viele Dinge des Inventars gehoeren einfach ins Museum, doch der Heizluefter pustet trotz seiner Altersschwaeche heisse Luft in meine Richtung. Papierkorb mit Bluemchenmuster, Papierfenster mit futuristischem Holzdekor, Telefone mit aus den 60ern. Ich verlaufe mich staendig und lande immer wieder versehentlich auf der Herrentoilette. Aber macht nichts, es gibt nur zwei Gaeste.

 Fuer das Fruehstueck haben der Besitzer und ich uns auf ein Essen ohne Natto und Umeboshi geeinigt. Dann gibt es doch wieder sehr viel (besonders fischigen) Fisch und ich leide den ganzen Tag an den Folgen. Als ich abends wieder essen kann, entscheide ich mich fuer eine ungefaehrliche Pizza, doch der Koch schlaegt mit ein rohes Ei auf den Belag und ich bestelle sofort Schnaps dazu, um nicht wieder den Papierkorb benutzen zu muessen. Am naechsten Morgen hat der Hotelbesitzer Erbarmen mit mir und es gibt Wuerstchen. Die ersten in Japan und der Tag wird besser.

Als ich spaet in der Nacht ins Hotel schleiche, kommt der Besitzer um nach dem Rechten zu sehen. Komischerweise sind Haeuser oft nicht abgeschlossen und so muss der Arme immer gucken, wer da gerade die Schuhe auszieht. Und weil das Holz so alt ist, klappt das mit dem lautlosen Schleichen nicht ganz. Aber schon in der zweiten Nacht erkennt er wohl mein Getappse und ich fuehle mich nicht wie eine 17-Jaehrige, die zu spaet aus der Disko kommt.

Zum Abschied gibt es noch mal Tee in der Sofaecke. Beste Wuensche und ich darf ein Foto machen. Mehr von diesen Hotels ohne Internet! Tschuess Shinkansennaeschen!

Kategorien: Japan · Reisen
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Junko und Juko

Dezember 27, 2007 · Kommentar schreiben

Der Hospitality-Club ist ein gute Erfindung. Man gibt Leuten kostenlos Unterkunft oder kann bei anderen kostenlos unterkommen. Da japanische Wohnungen fuer gewoehnlich sehr klein sind und junge Leute meist bei Ihren Eltern wohnen, ist das keine so gute Idee. Also habe ich mich mit Junko aus Nagano zu einem Ausflug verabredet. Junko kam mit ihrer Freundin Juko und einem komplett organisierten Expeditionsprogramm. Erst ging es mit dem Auto in die Berge, wo wir durch einen riesigen Zedernhain (oder Pinien?) zu einem Tempel gestapft sind. Es soll Baeren geben, aber momentan ist gluecklicherweise Winterschlaf angesagt. Es gab keine Touristen, obwohl es wunderschoen war. Man musste ungefaehr eine Stunde einen graden Weg durch eine Art Allee den Berg hochklettern und dann wieder runterrutschen. Junko und Juko hatten sogar Handschuhe fuer mich dabei, denn ich wusste von nichts.

Dann haben wir das Luxushotel, in dem Junko arbeitet, besichtigt. Danach die Sakebrauerei, in der Juko arbeitet. Ich wurde dem Boss vorgestellt und den langjaehrigen Mitarbeitern, was eine grosse Ehre ist. Also tiefste Verbeugung. 90 Grad runter. Das war sehr lustig. Und Sakebrauerei, das ist schon war. Dagegen war das Biermuseum gar nix.

Naechster Programmpunkt war ein japanisches Abendessen im angeschlossenen Restaurant. Superschoen. Wir hatten unzaehlige Schaelchen von Leckereien und irgendwann fing der Kuechenchef an, uns kleine Gruesse zu schicken. Kuchen mit Kerzen, weil wir drei bald Geburtstag haben oder Maroneneis, eine Spezialitaet der Stadt. Das Restaurant war aus dunklem Holz und es gab kleine Nischen fuer die Besucher. Die Kueche war offen in der Mitte und mit traditionellen Oefen und Kochgeschirr bestueckt, also kein elektrischer Reiskocher, sondern ein riesiger Holzofen. Mein Lieblingsschaelchen war mit frittierten Kraeutern bestueckt, in die Reis und Shrimps eingewickelt waren. Immer wenn ein Gast kam, ging oder etwas bestellt, wurde im Chor war gerufen, und als Zeichen am Ende noch ein schmissiges „HAI“ gesetzt. Das bedeutet ja und ich musste jedesmal lachen, was wiederum Junko und Juko zu komisch fanden. Ausserdem war das die Gelegenheit, den Sake aus Jukos Brauerei zu testen. Dort wird alles noch manuell hergestellt und der Sake war ein Traum, sehr weich und leider musste ich mich zurueckhalten, da der letzte Programmpunkt Onsen hiess.

Oder Superonsen. Wir luemmelten im heissen Wasser auf einem Berg, ueber uns der Sternenhimmel, fast Vollmond und vor uns die Lichter von Nagano und die Berge. Das Wasser dampft und duftet nach irgendwas. Wieder keine Touristen. Nur wir drei Schnatterlieschen. Wir waren vorher noch kurz im Hotel, um einen Lieblingsmitarbeiter von Junko zu sehen. Die ganze Unterhaltung war auf Japanisch und ich hatte den Eindruck, er will, dass wir gehen. Aber die beiden haben mir danach gesagt, dass er wollte, dass wir bleiben, aber der Superonsen war unsere Ausrede. Ich bin nachwievor ueberrascht, wie sehr man sich taeuschen kann, wenn man sich nur auf Gestik und Mimik der Japaner stuetzen kann.

Junko und Juko hatten jedenfalls alles perfekt vorbereitet. Es gab Handtuecher, Cremes und Aepfel fuer danach. Aepfel sind hier sooo teuer, aber schmecken komischerweise besser. Danach haben sie mich noch zum Hotel gefahren, bzw. erst verfahren und wir haben lustige Fotos gemacht. Also checkt www.hospitalityclub.org und lernt Junko und Juko kennen. Die beiden warten noch auf die grosse Liebe, aber ich vertraue da ganz auf das Jahr der Maus.

Kategorien: Japan · Reisen
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