Henrike’s Weblog

Mit den Tags ‘Kyoto’ versehene Einträge

Mixed Dorm

Dezember 19, 2007 · Kommentar schreiben

Hostel in KyotoIrgendwann tauchte Ashley im Mixed Dorm auf. Und es war gleich komisch. Die Situation auch sie selbst, mit ihrer Dauerwelle. Sie stellte sich sofort vor, in einer Art, als haette sie irgendwo gelesen, dass man das so macht in solchen Hotels. „Hello, I`m Ashley. I`m travelling. Together with him. But he is my brother.“ Und noch so eine komische Gestalt schob sich in den Raum. Am naechsten Morgen konnten dann auch die anderen die Neuankoemmlinge in ihr Herz schliessen. Die beiden begannen Punkt sechs aufzustehen und wahrscheinlich diverse Male ihr Gepaeck umzusortieren. Dabei wollten sie keine Geraeusche machen und das ist das Schlimmste. Man kann einen Reissverschluss aufmachen, man kann aber auch das Knacken jedes Zapfens geniessen. Nach einer Stunde waren sie dann endlich weg. Sonntagmorgen…

Abends wusste ich schon, dass die anderen drei im Zimmer abgereist waren und freute mich auf einen Abend mit meinen beiden First Time Travellern. Es gabe keine Gespraeche, die beiden sortierten wieder ihr Gepaeck um. Lady Ashley hat allein 14 Packungen Koerperkosmetik im weitesten Sinne dabei gehabt. Das ist dann natuerlich kompliziert.

Die Rettung kam in Form von drei Australiern, die das Zimmer stuermen, ihre Sachen unerlaubt auf den Boden warfen und schon zogen wir los zur naechsten Bar. Ashley wollte schon schlafen, aber Ashleys Bruder kam mit und war nach einem Napf Sake der Spielverderber. Auf der Suche nach dieser Bar, die vom Hotel empfohlen wurde, habe ich eine Gruppe japanischer Geschaeftsleute gefragt, die das lustig fanden und einer hat uns dann gleich noch bis zur Bar gebracht. Supernett. Da war es dann auch sehr cool. Es gab heissen Sake und richtig gutes Essen. Wir hatten japanisches eingelegtes Gemuese und einen Sashimikorb. An sich bekommt man keine grossen Portionen, es ist aber alles immer wahnsinnig aufwendig angerichtet und von sehr hoher Qualitaet. Und so habe ich zum ersten Mal rohen Seeigel und so eine rohe Riesenmuschel gegessen, eine mit Stacheln. Besonders der Seeigel war sehr lecker und zerging auf der Zunge. Toll ist auch die Klingel auf dem Tisch, mit dem man die Bedienung rufen kann. Das kann sehr praktisch sein und man wird nicht staendig vom Personal belaestigt.

 Danach gab es noch Dosenbier bis sehr spaet in die Nacht und Ashley und ihr Bruder haben uns sicherlich verflucht.

Kategorien: Japan · Reisen
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Kyoto in slow motion

Dezember 19, 2007 · Kommentar schreiben

Gestern wollte ich nur kurz Geld wechseln, zwei Pakete aufgeben, Fahrkarte kaufen und dann ab ins Mangamuseum. Aber ne, alles anders. Ich habe einen halben Tag bei der japanischen Post verbracht, die gleichzeitig die groesste Bank der Welt ist. Um Geld zu wechseln musste man wie auf dem Amt eine Nummer ziehen und dann sehr lange warten. Dabei wurden bestimmte Nummern nur von einer Person abgearbeitet, waehrend andere von drei Mitarbeitern bearbeitet wurden. In Japan regen sich die Leute aber nicht auf, sondern ertragen ihr Schicksal geduldig. Warten und warten. Dabei habe ich nicht verstanden, warum die Leute erst am Schalter ihr Anliegen vortragen und sich dann wieder setzen. Die Postbankbeamten rufen dann noch ein zweites Mal auf und bearbeiten den Vorgang quasi ungestoert. Ich habe mich dadurch eher noch mehr als Bittsteller gefuehlt.

Im gleichen Gebaeude war auch gleich die Paketabgabestelle und da war es eigentlich erstmal ganz lustig. Es gab einen grossen Tisch mit Stuehlen, an dem mehrere alte Leute sassen und Weihnachtspostkarten, die es in Paketen zu kaufen gibt, mit von der Post bereitgestellten Motivstempeln bedruckten. Da waren Tiere, Blumen oder Glueckwuensche drauf. Die Leute stempeln fleissig und muessen dann nur noch die Adressen eintragen. Das scheint sehr verbreitet zu sein, da wirklich viele stapelweise Postkarten bedruckten. Dabei waren sie alle sehr gespraechig und ignorierten voellig, dass ich so gut wie nichts davon verstehe.

Beim Paketabgeben gab es dann Probleme, weil Absender und Empfaenger den gleichen Nachnamen hatten. Ich verstehe bis jetzt noch nicht, was daran das Problem ist. Die Diskussion hat allerdings fast eine Stunde gedauert und diverse Leute involviert. Sie wollten das Paket so aber auch nicht annehmen und es mir auch nicht wiedergeben, so dass ich zu einer anderen Post haette gehen koennen. Das waere natuerlich auch sehr unhoeflich gewesen. Die Post scheint in diesem schnellen, perfekt organisierten Land noch eine kleine Oase der Langsamkeit zu sein. Vielleicht versteht ja jemand, der das hier liest, worin das Problem bestanden haben koennte.

Danach wollte ich mir noch schnell eine Nachtzugfahrkarte kaufen und bin leider an eine nicht so „gute“ Schalterbeamtin geraten. Sie konnte nicht so gut Englisch, was an sich nicht das Problem ist, weil dann normalerweise eine Kollegin geholt wird, die es vielleicht ein bisschen kann. Jedenfalls war ihr das unangenehm und sie hat wirklich Ewigkeiten in irgendwelchen Unterlagen nach Standardenglischsaetzen gesucht, um mir etwas zu erklaeren. Ich kannte bereits den Preis fuer das Ticket und sie wollte die ganze Zeit mehr als das Doppelte dafuer haben. Dann habe ich sie gebeten, doch eventuell mal jemanden zu fragen, der etwas besser Englisch kann. Daraufhin ist sie nach hinten verschwunden und lange nicht mehr wiedergekommen. Ich stand dann da und kam auch nicht an meinen Japan Rail Pass ran, weil der auf ihrem Tisch lag. Irgendwann ergab sich dann die Gelegenheit, die Nachbarverkaeuferin zu fragen und die hat verstanden was ich will und es mir auch verkauft. Die Schuechterne kam dann irgendwann wieder, sie tat mir auch leid, aber irgendwie hat es auch nichts gebracht, beschaemt auf den Boden zu gucken, wenn jemand eine Fahrkarte kaufen will.

Adios Mangamuseum. Zu spaet fuer irgendwas. Ausser einem schnellen MegaTomato bei McDonalds.

Kategorien: Japan
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10:00:00 Uhr

Dezember 17, 2007 · 1 Kommentar

In meinem Japanischkurs gab es eine Lektion, in der Pierre Littbarski vor einem Kaufhaus in Japan um 9:50 Uhr jemanden fragt, wann denn das Kaufhaus oeffnet. Es oeffnete um 10 Uhr. Den Dialog fand ich damals schon komisch, aber war ja auch nur zum Lernen. Jetzt hier wirkt der Dialog noch komischer, da sich bereits einige Minuten vor Kaufhausoeffnung lange Schlangen vor den Tueren bilden. Natuerlich wieder mehrere geordnete Schlangen. Hinter den Glastueren stehen wichtige Angestellte und warten auf den Countdown. Die Mitarbeiter stehen alle auf Ihrem Platz, gerade, Haende an der Hosennaht und warten auf die Oeffnung. Fuer mehrer Minuten. Es ist alles bereit und alle warten auf das Kommando es Verantwortlichen. Starre Gesichter. Keiner bewegt sich mehr. Punkt Zehn sagt er dann was und die Menschen stroemen geordnet in ihren Kaufrausch. Grossartiges Schauspiel. 

Kategorien: Japan
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Das schoene Kyoto

Dezember 16, 2007 · Kommentar schreiben

Kyoto wirkt erstmal wie die ganzen anderen japanischen Staedte, vollgepackt mit Haeusern und Menschen. Aber dann wenn man dann so herumspaziert, entdeckt man ganz viele Tempel und die meisten sind sehr, sehr schoen. Gestern waren in einem Stadtteil die Tempel in der Nacht beleuchtet und auch im Wald und an den Wegesraendern waren Scheinwerfer verteilt. Das klingt erstmal banal und ich dachte auch, was fuer eine billige Art tausende von Menschen anzulocken. Aber oft war das Licht sehr schoen gesetzt und abseits der Hauptmenschenstroeme war es sehr romantisch.

Heute bei Tag bin ich auch die empfohlene Tempelroute entlanggewandert und er erste Tempel war extrem ueberfuellt, aber danach wurde es immer weniger und es war ein sehr schoener Tag. Gerade die Gaerten sind sehr gut angelegt, es gibt wenige Geraden, sondern die Elemente sind viel harmonischer Angeordnet. Durch die Hanglage und die verschlungenen Wege ergaben sich immer wieder neue Blicke und ich freue mich schon darauf, irgendwann die Fotos hochladen zu koennen. Hier geht das nicht. Leider.

Kategorien: Japan
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We are watching you

Dezember 16, 2007 · Kommentar schreiben

Bin jetzt in Kyoto gelandet und es wird kaelter und kaelter. Das Hostel, in dem ich reserviert hatte, mit Bestaetigung und so, wollte mich bei meiner Anreise nicht mehr haben. Ganz gross. Man muss dazu sagen, dass in Japan die Adressen an sich wertlos sind. Es gibt kaum Strassennamen, keine richtigen Hausnummern. Vielmehr verstaendigt man sich mit Wegbeschreibungen. So was wie beim zweiten LAWSON rechts, nach drei Minuten links und dort, wo eigentlich ein Hondawerkstatt war, wieder rechts. Das bedeutet, man sucht gern mal etwas laenger und erkundet oft die Umgebung der Hotels sehr genau. So auch bei diesem Hostel.

Ich weiss nicht, ob ich vielleicht doch zuviel Gepaeck habe, aber nach 30 Minuten mit Rucksack durch die Stadt werde ich langsam grummelig. Wenn dann noch das Hotel sagt, keine Ahnung, wir sind voll, koennen wir auch nichts machen, schauen sie doch mal bei den Flyer, da sind noch andere Hotels mit dabei…

Zum Glueck habe ich eines nicht ganz so weit davon entfernt gefunden. Sechser Mixed Dorm ist auf der Messlatte der Unterkuenfte schon ziemlich weit unten, fand ich. Aber das Bett ist grossartig. Ich konnte die Beine ausstrecken, die Decke war warm genug und das Licht war zumindest fuer einige Stunden ganz aus. Worueber man sich so nach 10 Tagen Japan so freut.

Was mich allerdings wundert, ist, dass unter meinem Doppelstockbett diverse Technik steht. Unteranderem ein relativ grosses Mikrofon, das sehr wahrscheinlich die Geraeusche im Zimmer aufnimmt. Warum das denn? Wer hat Interesse an dem ganzen woher-kommst-du und wohin-faehrst-du-als-naechstes-Gequatsche?

Vor dem Zimmer im Flur steht der aktuell einzige funktionierende Computer. Es gibt den Hinweis, dass man bitte keine Bilder oder Programme downloaden soll. 10.000 Yen Strafe und der schoene Hinweis WE ARE WATCHING YOU. Da fuehlt man sich doch gleich wie zuhause.

Egal, Angst vor Technikklau kann ich noch verstehen, aber es reicht mir eigentlich, wenn ich meine Schlafgeraeusche mit fuenf anderen teilen muss.

Kategorien: Japan
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