Mal wieder ein Manga-Internet-Cafe. Wie schoen es doch ist, auch mal allein zu sein. Ich versinke in Box 157 in einem grossen weissen Ledersessel und mag gar nicht schreiben. Endlich mal unbeobachtet. Der Sessel ist sehr bequem und halbhohe Waende beschuetzen mich. Um mich herum nur Tastaturgehacke und Leute, die Ihre Boxen suchen. Es gibt Duschen, Getraenke, Regale voll mit DVD`s und Mangas. Aber die Uhr tickt yen yen yen.
Habe heute das Hotel gewechselt, von Sakura Hostel zu Sakura Hotel. Musste ich, weil ich das jetzige frueh gebucht hatte und ich dann nicht frueher anreisen konnte. Sakura Hostel war daher nur mein Abstellgleis fuer ein paar Tage, aber wie ich jetzt weiss, ein sehr gutes. Die Leute an der Rezeption sind sehr nett und denken bei vielen Dingen mit. Es gibt guenstiges Internet, bei dem man sich beliebig ein- und ausloggen kann (mit eigenem Rechner umsonst), einen Plan von den umliegenden Onsen und Restaurants. Vorsichtige koennen sich sogar schon mal die Speisekarten inkl. Erklaerungen anschauen. Buecher, die man nicht mehr braucht, kann man in ein Regal stellen, als auch Shampoo usw. Bei Heimweh kann man sich DVD`s oder Playstationspiele ausleihen. Waeschewaschen ist guenstig und geht schnell. Eine kleine Bar verkauft sogar gezapftes Bier. All das findet in einem Raum statt, der fuer japanische Verhaeltnisse sehr gross ist und es ist staendig was los. Also wenn jemand Leute kennenlernen will, ist das hier sehr einfach. Ich habe mich schon dermassen an die Japaner gewoehnt, dass ich die Lautstaerke der Auslaender, Ihr Schreien und lautes Lachen, oft sehr nervig fand.
Das Zimmer war klein, drei Doppelstockbetten und Schliessfaecher, dafuer waren aber die Betten sehr gross, 2,10 x 1,00m sind doch grossartig. Jedes Bett hat ausserdem eine eigene Lampe mit Steckdose fuers Mobiltelefon o.a. Mein groesstes Problem kam mit der Ankunft einer Frau aus Estland, die permanent fror und deshalb die Klimaanlage hochdrehte, japanische Klimaanlage. Also liegt diese Schnepfe unter mir in Kuehlen und ich vegetiere oben in der Trockensauna. Unertraeglich. Da konnte ich noch so viele 2l Wasserflaschen in mich reinschuetten, meine Nase war trocken und brennt immer noch. Nach drei Tagen habe ich es geschafft, die Fernbedienung dermassen zu verstellen, dass es nicht mehr so heiss war, ohne dass man gleich wieder aus dem Angenehm-Modus zurueckfinden konnte.
Beim Blick aus dem Fenster konnte man den Hanayashiki-Vergnuegungspark sehen und dahinter die Senoji-Tempelanlage. Zimmer mit Blick gehoeren in Japan auch nicht zum Standard. Mein neues Zimmer liegt im Keller und schiebt man die Gardine zurueck, sieht man auf kahlen Beton. Nach oben hin sind Gitter eingelassen. Oft wird deswegen Milchglas oder gemustertes Glas verwendet, dann faellt das nicht so auf. Manchmal sind die Waende des naechsten Hauses nur einen Meter entfernt, dann ist es eh egal.
Jedenfalls wollte ich das Hostel Sakura noch mal besonders loben. Fuer Schnepfen koennen die nichts und ansonsten war alles gut. Ringsherum steppte der Baer und gleichzeitig wohnten ganz normale Leute dort. Das Hotel Sakura, in dem ich jetzt wohne, wird von Buerokomplexen umzingelt. Es gibt auch Schulen, aber die sehen nicht anders aus. Mal sehen.
Es fing schon wieder gut an. Der Rezeptionist fragte mich, ob ich fuer eine Nacht einchecke. Nein, ich wollte gern wie reserviert fuer acht Naechte bleiben. Mmh. Jedenfalls wechsel ich morgen in ein Einzelzimmer und dann nach drei Naechten wieder zurueck in den Schlafsaal. Das alles zum Schlafsaalspreis, daher bin ich auch ruhig geblieben. Ein bisschen Einzelzimmer klingt gerade sehr gut. Kein Geraschel mit Plastiktueten, kein Rumgefluester und auch keine Gespraeche ueber Zara und den Winterschlussverkauf. Obwohl, der weisse Sessel ist auch nicht schlecht, man kann sogar elektrisch die Lehne veraendern.
Ein sehr dumpfes Gefuehl. Diese Aktion war aber notwendig, weil ich zum ersten Mal in einem Internetcafe uebernachtet habe. Das ist in Japan sehr populaer und die billigste Art der Uebernachtung. Kostet je nach Stadt 10-20 Euro, meist gibt es freie Getraenke, manchmal auch Naschkram oder eine Dusche. In den Boxen hat man die Wahl zwischen normalen Stuehlen, Massagesesseln, japanischen Sitzkissen und blanker Teppichflaeche. Letztere ist natuerlich sehr beliebt, da man sich hier ausstrecken kann (wenn man so kleiner als 1,80 m ist). Ich kam kurz nach dem Check-Inn-Beginn fuer die lange Nacht und habe gerade die letzte Teppichbox erwischt. Lange Nacht sind 8 Stunden, normal sind 6. Deswegen schlafen wohl auch alle in der U-Bahn. Man kann sich dann hier DVDs aus den Regalen nehmen oder Comics oder Computerspiele, es steht ganz viel rum und so kommt man kaum zum Schlafen.