Nachdem ich Regionen in Japan bereist habe, in denen der Verzehr von rohem Pferdefleisch besonders beliebt ist, schien mir der Besuch des groessten Parasitenmuseums der Welt in Tokyo nur obligatorisch. Japaner lieben rohes und auch vergorenes Essen, das muss nicht immer gut enden, wie ich selbst erfahren durfte.
Das Museum liegt in Meguro und ist definitiv schwer zu finden. Ich hatte mich unvorsichtig ohne Stadtplan oder Anreisebeschreibung auf den Weg gemacht. Da stand ich nun im Schneeregen. Ich wusste nur noch, dass das Museum 15 min. Fussweg von der U-Bahn entfernt liegt. Nach 25 Minuten bin ich umgedreht. Uebrigens fuehrt die durchschnittliche japanische Koerpergroesse zu ungewollten Interaktionen von Regenschirmraendern mit Touristenkoepfen. Wie ein Boxer halte ich die Arme oben und bin froh, dass ich eine Schutzbrille trage.
In der Metrostation habe ich dann einen Stadtplan mit englischen Uebersetzungen gefunden. Der Ausschnitt war so gewaehlt, dass das Parasitenmuseum nicht mehr darauf enthalten war. Aber ich bin anscheinend die richtige Strasse lang gelaufen. Nochmal los. Auf dem Weg bin ich dann erst mal essen gegangen, eine gute Idee, wie sich spaeter herausstellte.
Jedenfalls kam das Museum wieder nicht und ich habe in einer Apotheke gefragt. Die sollten das doch wissen… Nach ueber einer Stunde Bewegung im Schneeregen war ich endlich da. Es gab schon ein Schild, ein kleines, egal. Falls mal jemand hinmoechte, es kommt gleich hinter dem Altersheim und der Musikschule auf der linken Strassenseite. 10 Minuten Fussweg.
Das Museum hat zwei Etagen und unzaehlige Parasiten. Schoen in Glaeschen gestopft. Beschreibungen sind auf Japanisch, aber die Bilder sind meist selbsterklaerend. Komischerweise werden nur afrikanische Parasitenopfer auf Fotos gezeigt. Japanische werden als farbige Laempchen auf einer Landkarte dargestellt. Da hat doch jede Region auch ihre Parasitenspezialitaet.
Im Obergeschoss kann man Parasitenandenken kaufen, T-Shirts, Postkarten oder auch silberne Parasitenkettenanhaenger. Wie viele Parasiten ich mitbringe, wird sich noch herausstellen.

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Mit Tag(s) versehen: Museum, Regen, Schnee, Tokyo
Der Tag begann sehr frueh. 4:45 Uhr klingelte der Wecker und das sollte so sein. Laut Reisefuehrer soll man moeglichst zeitig auf dem Tsukiji-Markt erscheinen. Hier gibt es hauptsaechlich Fisch. Auf dem Fluss kommen die Boote an und liefern den fangfrischen Fisch fuer die Auktionen, Beginn 4:30 Uhr. Dann wiederum werden die Fische von Zwischenhaendlern an unzaehligen Staenden verkauft. Ich falle jedenfalls schlaftrunken in die U-Bahn und auch nach zweimal Umsteigen ist es draussen noch dunkel.
Erstmal laeuft man durch einen Riesenparkplatz mit LKW`s. Schon das macht munter, denn ueberall wird eingeparkt, ausgeparkt, angeliefert usw. Man springt so hin und her, weicht aus und sucht die Fische. Ich bin jedenfalls einer dreikoepfigen Touristengruppe gefolgt, die zielstrebig in eine Richtung liefen. Dann kamen wir endlich in die Hallen mit den Fischen und sofort ist man wach. Das totale Getummel. Enge Gaenge mit so kleinen Lampen belaeuchtet. Ueberalle Fische, die Tunasaege kreischt. Ich laufe hunderte Meter vorbei an lebenden, gefrorenen, getrockneten, zerstueckelten und komisch aussehenden Fischen. Manchmal werden sie gekoepft oder ein Draht wird in sie hineingesteckt. Ich gucke interessiert zu und stehe immer im Weg. Menschen laufen in alle Richtungen, haben es eilig. Ernste, gestresste Gesichter. An meinen Schuhen kleben Fischreste.
In den groesseren Gaengen fahren kleine, wendige Lieferwagen, sie scheinen von ueberall her zu kommen und ich springe wieder hin und her. Nirgends ist man sicher. Aber es macht Spass. Es gibt ganz viel zu sehen und ich kaempfe beim Fotografieren mit dem wenigen Licht. Draussen wird es langsam Tag. Es ist sehr kalt und das ist wie immer ein guter Anfang fuer ein Gespraech. Nein, ich esse nicht so gern Fisch, aber Japan finde ich prima und die japanische Kueche ist natuerlich auch ausgezeichnet. Wenn die wuessten.
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Mit Tag(s) versehen: Fisch, Tokyo
Ich hatte es irgendwie schon geahnt. Vom vollkommen dunklen Kellerschlafsaal wurde ich jetzt in ein Einzelzimmer im Erdgeschoss umgelegt. Das Fenster ist durch eine festinstallierte Gardine verdeckt. Warum? Nach Sonnenaufgang kommt so gut wie kein Licht in das Zimmer. Die naechste Wand ist ca. 30 cm entfernt, dunkler Backstein. Und wie gesagt, Erdgeschoss. Helligkeit ungefaehr wie einen Tag nach Neumond. Auf dem Fensterbrett steht ein kleiner Fernseher, aufmachen kann man das Fenster sowieso nicht, man koennte es nicht mal als Notausgang benutzen. Aber der Fernseher ist ja auch ein Fenster.
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