Henrike’s Weblog

Pachinko

Januar 17, 2008 · Kommentar schreiben

Die Hallen sind ueberall. In jeder Fussgaengerzone laeuft man an mehreren dieser Spielhallen vorbei. Es gibt einfache, die nur Spielautomaten haben, aber auch mehrgeschossige, wo es dann Etagen ausschliesslich fuer Automaten mit Greifarmen oder fuer Fotoautomaten gibt. Die Greifarmautomaten sind langweilig wie ueberall. Man gewinnt fast nie was und das, was es zu gewinnen gibt, ist weniger interessant. Kategorie haessliches Plueschtier oder Gummitierpackung. Japaner scheint das nicht zu stoeren.

Die Fotoautomaten sind da lustiger. Man kann sich Kostueme ausleihen, manchmal sich auch schminken oder die Haare machen lassen und dann werden Fotos gemacht. Es gibt Schulmaedchenkostueme, Prinzessinnenkleider, aber auch warme Ganzkoerperkostueme von irgendwelchen Comicfiguren. Das habe ich noch nicht ausprobiert, macht allein wahrscheinlich auch nicht so viel Spass. Dagegen habe ich heute jemanden gefunden, der mit mir in eine reine Pachinkohalle gegangen ist. Kaum ist man drin, kann man sich wegen dem Laerm nicht mehr unterhalten. Wir haben gefragt, ob sie uns kurz erklaeren koennen, wie das funktioniert. Da haengen unzaehlige Beschaeftigte rum, aber die haben sich etwas angestellt. Dann hat sich doch jemand gefunden. Man steckt 1000 Yen in den Automaten (ca. 7 Euro) und dann kommen ganz viele Metallkugeln rausgeschossen, ich glaube er sprach von 200. Man hat einen Knopf, an dem man drehen kann, ich habe aber lange nicht verstanden, was sich veraendern liess. Nach ca. 150 Kugeln wusste ich es. Die Geschwindigkeit der Kugeln. Wenn man die gut eingestellt hat, gibt es die Chance, dass Kugeln in ein farbiges Loch fallen. Vorher muessen sie durch verschiedene Naegel rattern. Stellt man die Geschwindigkeit falsch ein, sind sie sofort weg. Wenn sie das Loch treffen, dann startet auf einem Monitor eine Art einarmiger Bandit. Bei drei gleichen Zahlen oder Bildern wird man mit Kugeln belohnt. Am Ende kann man die Kugeln gegen Geschenke wie Suessigkeiten oder Zigaretten eintauschen. Und vor der Halle gibt es oft noch einen Kiosk, wo man diese dann wieder in Cash umwandeln kann.

Das ist extrem langweilig und nach drei Minuten waren alle Kugeln weg. Die anderen sitzen dort mehrere Stunden, stellen die Geschwindigkeit ein und starren auf den Bildschirm. Meist sind es Maenner, junge und alte, Anzugstraeger und Rentner. Bewegungslos sitzen sie einsam vor ihren Automaten. Die Geraeuschkulisse ist unertraeglich, aber irgendwie muessen sie daran Gefallen finden. Der Gewinn kann es nicht sein, weil es nichts Richtiges zu gewinnen gibt. Vielleicht findet man es schoen, dass es mal laut ist. Vielleicht vergisst man die Welt draussen, wenn man lange genug auf fallende Metallkugeln schaut. Vielleicht gibt es zuhause nichts, was Geraeusche macht und sich bewegt. Auf jeden Fall kein Ort der Froehlichkeit. Aber warum gibt es dann so viele davon?

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Kategorien: Japan · Reisen
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