Meine heutige brasilianische Reisebegleitung wollte gern in den Zoo. Da bin ich nicht so der grosse Fan, aber kann man ja mal machen. Kostet 600 Yen und liegt mitten im Ueno-Park. Meine Favouriten waren zwei Capybaras. Ich weiss nicht, wie die auf Deutsch heissen, denn ich habe die noch nie gesehen. Sie huepfen wohl auch in Brasilien rum und sind eine Art Riesenmaus. So gross wie ein normaler Hund, aber etwas dicker und wuschelig. In Tokyo sind sie zusammen mit den Lamas und Tapiren eingesperrt. Ueberhaupt sind die Kaefige oft sehr klein und die Tiere liegen gern mal gelangweilt rum, soweit dass als Nichttier zu beurteilen ist. Ein Riesenkrokodil passte gerade so in sein Becken. Die Scheibe war von innen total zerkratzt. Zwei Loewen, ein Tiger und zwei Eisbaeren. Und dann der Panda, die Hauptattraktion. Ling-Ling wurde gerade gefuettert und da steht man dann und guckt zu, wie er Zuckerrohr knabbert. Am spannendsten waren aber die vielen leeren Gehege. Immer wieder gab es Schilder, aber keine Tiere dazu. Das ist doch unheimlich. Irgendwo muessen sie doch sein. Ich kann verstehen, dass man da weg will…
Was ich bisher auch noch nicht im Zoo gesehen habe, sind Kaefige mit Plueschtieren. Die Japaner dekorieren damit die Aufzuchtkaefige oder -becken. Teddybaeren, Plueschelefanten und bunte Stoffvoegel, dazwischen lauter kleine Maeuse. Fischbaebies umgeben von Plastikfroeschen, Plastikfischen und Plastikpflanzen. Alles immer schoen gesichert, damit niemand abhauen kann. Und wenn doch, sitzen die Teddies allein im Kaefig.
Es gibt noch eine interessante Geschichte zum Zoo. Eines der erfolgreichsten Buecher, erschienen 1951, handelt von den Elefanten waehrend des Zweiten Weltkrieges. Die Kinder kamen jeden Sonntag in den Zoo und als im Krieg die Nahrung knapp wurde, mischte der Waerter etwas Gift in das Futter. Die Elefanten wurden immer schwaecher und schwaecher und eines Tages waren sie tot. Deswegen ist Krieg schlecht. So wurde es jahrelang japanischen Schulkindern erzaehlt. Es gab nur extrem beschoenigte Informationen zur Rolle Japans im Krieg. Saburo Ienaga, ein Geschichtslehrer, hat den laengsten Gerichtsprozess in der japanischen Geschichte gefuehrt. Dabei ging es um seine Darstellung der Ereignisse in den Geschichtsbuechern. Das Bildungsministerium forderte unzaehlige Aenderungen und irgendwann hatte Ienaga die Nase voll und hat geklagt. Wenn er schrieb, dass viele japanische Soldaten 1936 in Nanjing viele Chinesinnen vergewaltigt haben, dann antwortete das Ministerium, dass Vergewaltigungen eine normale Kriegshandlung seien und als solche nicht gesondert in Bezug zur japanischen Armee hervorgehoben werden sollten. Krieg, als auch die japanische Armee sollen nicht negativ dargestellt werden. Das hat sich bis heute nicht wesentlich geaendert, immerhin geht es um Japan. Und China als auch Korea zeigten sich bisher nicht sonderlich erfreut. Die Geschichte mit den Elefanten passt sehr gut in dieses Bild. Denn was gab es Wichtigeres nach dem Krieg zu sagen. Die armen Elefanten im Zoo von Tokyo.
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