Henrike’s Weblog

Zoo in Ueno/Tokyo

Januar 17, 2008 · Kommentar schreiben

Meine heutige brasilianische Reisebegleitung wollte gern in den Zoo. Da bin ich nicht so der grosse Fan, aber kann man ja mal machen. Kostet 600 Yen und liegt mitten im Ueno-Park. Meine Favouriten waren zwei Capybaras. Ich weiss nicht, wie die auf Deutsch heissen, denn ich habe die noch nie gesehen. Sie huepfen wohl auch in Brasilien rum und sind eine Art Riesenmaus. So gross wie ein normaler Hund, aber etwas dicker und wuschelig.  In Tokyo sind sie zusammen mit den Lamas und Tapiren eingesperrt. Ueberhaupt sind die Kaefige oft sehr klein und die Tiere liegen gern mal gelangweilt rum, soweit dass als Nichttier zu beurteilen ist. Ein Riesenkrokodil passte gerade so in sein Becken. Die Scheibe war von innen total zerkratzt. Zwei Loewen, ein Tiger und zwei Eisbaeren. Und dann der Panda, die Hauptattraktion. Ling-Ling wurde gerade gefuettert und da steht man dann und guckt zu, wie er Zuckerrohr knabbert. Am spannendsten waren aber die vielen leeren Gehege. Immer wieder gab es Schilder, aber keine Tiere dazu. Das ist doch unheimlich. Irgendwo muessen sie doch sein. Ich kann verstehen, dass man da weg will…

Was ich bisher auch noch nicht im Zoo gesehen habe, sind Kaefige mit Plueschtieren. Die Japaner dekorieren damit die Aufzuchtkaefige oder -becken. Teddybaeren, Plueschelefanten und bunte Stoffvoegel, dazwischen lauter kleine Maeuse. Fischbaebies umgeben von Plastikfroeschen, Plastikfischen und Plastikpflanzen. Alles immer schoen gesichert, damit niemand abhauen kann. Und wenn doch, sitzen die Teddies allein im Kaefig.

Es gibt noch eine interessante Geschichte zum Zoo. Eines der erfolgreichsten Buecher, erschienen 1951, handelt von den Elefanten waehrend des Zweiten Weltkrieges. Die Kinder kamen jeden Sonntag in den Zoo und als im Krieg die Nahrung knapp wurde, mischte der Waerter etwas Gift in das Futter. Die Elefanten wurden immer schwaecher und schwaecher und eines Tages waren sie tot. Deswegen ist Krieg schlecht. So wurde es jahrelang japanischen Schulkindern erzaehlt. Es gab nur extrem beschoenigte Informationen zur Rolle Japans im Krieg. Saburo Ienaga, ein Geschichtslehrer, hat den laengsten Gerichtsprozess in der japanischen Geschichte gefuehrt. Dabei ging es um seine Darstellung der Ereignisse in den Geschichtsbuechern. Das Bildungsministerium forderte unzaehlige Aenderungen und irgendwann hatte Ienaga die Nase voll und hat geklagt. Wenn er schrieb, dass viele japanische Soldaten 1936 in Nanjing viele Chinesinnen vergewaltigt haben, dann antwortete das Ministerium, dass Vergewaltigungen eine normale Kriegshandlung seien und als solche nicht gesondert in Bezug zur japanischen Armee hervorgehoben werden sollten. Krieg, als auch die japanische Armee sollen nicht negativ dargestellt werden. Das hat sich bis heute nicht wesentlich geaendert, immerhin geht es um Japan. Und China als auch Korea zeigten sich bisher nicht sonderlich erfreut. Die Geschichte mit den Elefanten passt sehr gut in dieses Bild. Denn was gab es Wichtigeres nach dem Krieg zu sagen. Die armen Elefanten im Zoo von Tokyo.  

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Capybaras

Kategorien: Japan · Reisen
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Pachinko

Januar 17, 2008 · Kommentar schreiben

Die Hallen sind ueberall. In jeder Fussgaengerzone laeuft man an mehreren dieser Spielhallen vorbei. Es gibt einfache, die nur Spielautomaten haben, aber auch mehrgeschossige, wo es dann Etagen ausschliesslich fuer Automaten mit Greifarmen oder fuer Fotoautomaten gibt. Die Greifarmautomaten sind langweilig wie ueberall. Man gewinnt fast nie was und das, was es zu gewinnen gibt, ist weniger interessant. Kategorie haessliches Plueschtier oder Gummitierpackung. Japaner scheint das nicht zu stoeren.

Die Fotoautomaten sind da lustiger. Man kann sich Kostueme ausleihen, manchmal sich auch schminken oder die Haare machen lassen und dann werden Fotos gemacht. Es gibt Schulmaedchenkostueme, Prinzessinnenkleider, aber auch warme Ganzkoerperkostueme von irgendwelchen Comicfiguren. Das habe ich noch nicht ausprobiert, macht allein wahrscheinlich auch nicht so viel Spass. Dagegen habe ich heute jemanden gefunden, der mit mir in eine reine Pachinkohalle gegangen ist. Kaum ist man drin, kann man sich wegen dem Laerm nicht mehr unterhalten. Wir haben gefragt, ob sie uns kurz erklaeren koennen, wie das funktioniert. Da haengen unzaehlige Beschaeftigte rum, aber die haben sich etwas angestellt. Dann hat sich doch jemand gefunden. Man steckt 1000 Yen in den Automaten (ca. 7 Euro) und dann kommen ganz viele Metallkugeln rausgeschossen, ich glaube er sprach von 200. Man hat einen Knopf, an dem man drehen kann, ich habe aber lange nicht verstanden, was sich veraendern liess. Nach ca. 150 Kugeln wusste ich es. Die Geschwindigkeit der Kugeln. Wenn man die gut eingestellt hat, gibt es die Chance, dass Kugeln in ein farbiges Loch fallen. Vorher muessen sie durch verschiedene Naegel rattern. Stellt man die Geschwindigkeit falsch ein, sind sie sofort weg. Wenn sie das Loch treffen, dann startet auf einem Monitor eine Art einarmiger Bandit. Bei drei gleichen Zahlen oder Bildern wird man mit Kugeln belohnt. Am Ende kann man die Kugeln gegen Geschenke wie Suessigkeiten oder Zigaretten eintauschen. Und vor der Halle gibt es oft noch einen Kiosk, wo man diese dann wieder in Cash umwandeln kann.

Das ist extrem langweilig und nach drei Minuten waren alle Kugeln weg. Die anderen sitzen dort mehrere Stunden, stellen die Geschwindigkeit ein und starren auf den Bildschirm. Meist sind es Maenner, junge und alte, Anzugstraeger und Rentner. Bewegungslos sitzen sie einsam vor ihren Automaten. Die Geraeuschkulisse ist unertraeglich, aber irgendwie muessen sie daran Gefallen finden. Der Gewinn kann es nicht sein, weil es nichts Richtiges zu gewinnen gibt. Vielleicht findet man es schoen, dass es mal laut ist. Vielleicht vergisst man die Welt draussen, wenn man lange genug auf fallende Metallkugeln schaut. Vielleicht gibt es zuhause nichts, was Geraeusche macht und sich bewegt. Auf jeden Fall kein Ort der Froehlichkeit. Aber warum gibt es dann so viele davon?

http://s237.photobucket.com/albums/ff306/henrikexy/?action=view&current=P1174530.flv

Kategorien: Japan · Reisen
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