Japan-Chile

Die Maedchen im Dorm haben mich geliebt, na ja. Nachdem ich kein Cafe gefunden hatte, in dem das Spiel gezeigt wird, bin ich schnell ins Hotel gelaufen. Die ersten zwanzig Minuten hatte ich schon verpasst. Japan wollte heute in einem Freundschaftsspiel Chile schlagen, eigentlich eine leichte Aufgabe. Aber die haben sich vollkommen bloed angestellt. Die Chilenen waren total schwach und standen manchmal eher zufaellig vom Tor. Keiner schien zu wissen, dass man da reinschiessen muss. Aber die Japaner waren vollkommen ohne Ideen. Takahara hat einmal sehr weit vorbei geschossen, die einzige wirkliche Chance, die dann auch permanent wieder eingeblendet wurde. In der ungefaehr 60. Minute wurde er gegen Yoshito Okubo ausgewechselt, der wenigstens ein Tor schiessen wollte, aber dreimal daneben schoss und einmal durch den Torwart bezwungen wurde.
Chile war anscheinend nur mit elf Mann angereist, denn der Trainer wechselte nicht einmal, oder das Fernsehen hat die Wechselinformationen geheim gehalten. Japan wechselte staendig und kriegte den Ball trotzdem nicht rein. Sehr lahm.
Das Lustigste geschah nach dem Spiel. Die beiden Kapitaene mussten mit einem Pokal fuer ein Foto posieren. Da Kirin Hauptsponsor ist, kamen nach dem Pokal noch eine fast mannshohe Bierdose, eine Brausedose und eine Milchgetraenkflasche, dann noch mal der Pokal zusammen mit den drei Getraenken und irgendein Funktionaer. Der chilenische Kapitaen hatte grosse Schwierigkeiten, nur hoeflich zu lachen. Und weil meine Mitbewohnerinnen am Samstag schon um neun einschlafen wollen, hab ich dann netterweise die Kiste ausgemacht und sitze jetzt hier. Wo soll das nur enden.

Shopping in Tokyo

Heute war Koji mein Reisefuehrer in Tokyo. Das hatte zur Folge, dass ich jetzt nicht nur zu viel Gepaeck habe, sondern viel zu viel. Wir waren zuerst im Nakano Broadway (Nakano Station, JR-Line oder Tozai-Line). Auf drei Etagen gibt es ganz viel Cosplayzeug, 2nd Hand Klamotten, Comics, Videos und Animefiguren. Vieles sehr guenstig und auch ohne Kaufinteresse ist es wie ein kleines Museum. Geschaefte oeffnen erst ab 12 Uhr und dann kommen die Schulkinder und man kann auch kurze-Roecke-gucken, wer mag. Oder man kauft sich auch eine Schuluniform, es gibt da einiges an Auswahl…

Mittags haben wir Unagi gegessen, das ist Aal und sehr lecker. Frisch gegrillt auf Reis. Unbedingt testen.

Aal halb aufgegessen

Die zweite Station war Shimo-kitazawa (JR-Line von Shibuya oder Yoyogi-uehara). Hier wimmelt es von Studenten, die durch die kleinen Gassen wimmeln. Kleine Geschaefte mit schoenen Dingen. Mangalaeden haben mehr independent Sachen, die ich in den anderen Laeden noch nicht gesehen hatte. Auch fuer MusikCDs ist es ein guter Ort. Es gibt einige Secondhandlaeden. Da es in Japan Festpreise fuer Cds gibt, kann man so wenigstens etwas sparen. Klamottentechnisch sicherlich auch sehr spannend, aber ich bin in den Mangalaeden haengengeblieben. Da war soviel anzugucken und Koji war staendig aus dem Haeuschen, weil er noch ein und noch ein spannendes Buch gefunden hatte, welches ich unbedingt lesen sollte. Das werde ich nun auch tun.

I love Fischmarkt

Manche haben auf dem Fischmarkt gelacht, weil ich zum zweiten Mal da war. Das scheint nicht so oft zu passieren und eigentlich wollte ich morgen wieder hin, aber das lasse ich dann wohl lieber. Sonst verkaufe ich demnaechst noch Fisch oder ende an der Tunasaege. Nein, nein, nein. Aber bis auf das fruehe Aufstehen war es sehr schoen. Heute war ich ohne irgendeine Tasche da und das ist viel besser. Man ist wendiger, wenn man ausweichen muss und sieht nicht aus wie ein Tourist. Mit meiner blauen Jacke war ich sehr Undercover, soweit das moeglich ist.
Heute habe ich auch noch etwas von der Tunaauktion gesehen. Grossartig. Ein Mann steht auf einem kleinen Hocker und schreit irgendwelche Zahlen. Drumherum kaempfen mehrere muede Haendler um die dicken gefrorenen Tunas, die den Boden bedecken. Dann werden die mit Haken gepackt und auf Karren geschleift. Eilig laufen die Traeger zu den einzelnen Staenden, wo schon die Saege wartet. Es gibt anscheinend Unterschiede in Farbe und Struktur, ich habe nichts erkannt.
Ich mag besonders den Mix aus alten und jungen Leuten die dort arbeiten. Viele sind offensichtlich ueber 70 Jahre alt und haben Ihr Leben auf dem Markt verbracht. Kein Grund aufzuhoeren. Und nach 7 Uhr sind alle etwas entspannter und lachen oft zurueck. Es macht so viel Spass, zwischen den Staenden herumzuhuepfen. Der Fisch in den Sushibars soll sehr gut sein, aber es ist noch zu frueh fuer Fisch.

Tuna

Baumarkt in Japan

Ich muss kurz erwaehnen, dass ich mein Lieblingsgeschaeft in Tokyo gefunden habe. Wie nicht anders zu erwarten handelt es sich um Tokyu Hands. In Shinjuku teilen sich Takashimaya und Tokyu Hands einen grossen, edlen Einkaufskomplex. Takashimaya ist ein Kaufhaus fuer Dinge von Hermes, Gucci usw., Tokyu Hands bietet alles, was man so zum Basteln braucht, im Grossen wie im Kleinen. Das Erdgeschoss wird nur von Takashimaya belegt und so habe ich etwas gezoegert, weil in Deutschland Baumaerkte selten von teuren Boutiquen umzingelt sind. Ab der ersten Etage ist es aber schoen, rechts Handtaschen und links Naegel. Es gibt Abteilungen fuer Handyverschoenerungszubehoer, fuer beheizbare Toilettensitze, sogar Holzzuschnitt. Aber nicht in der billigen Praesentation wie in Deutschland, sondern alles sehr verlockend. Extrem gute Auswahl, mehr so eine Mischung aus Modulor und Bauhaus, aber besser als beide zusammen. Insgesamt 8 Etagen, glaube ich.
Es gibt sogar Siebdruckzubehoer zu kaufen. Alles, Farben, Siebe, Rakel, Belichtungsautomat. Wenn man mag, kann man auch ein Anfaengerset mit Miniholzsieb und Wachsabdeckung kaufen. Mmmh.
Ich glaube, ich war dort sehr lange. Zum einen war es schoen, so viele Dinge zu entdecken, zum anderen schrecklich, weil ich kaum etwas kaufen konnte. Die Preise waren in Ordnung, aber ich habe schon so viel Gepaeck, leider.
Baumarkt ist hier weniger eine neue Wand ziehen oder die Decke abhaengen, sondern den kleinen Raum, den man hat, schoen machen. Grossartig, und von rechts zieht der Duft von Parfuem herueber.

Wo geht es zu den Parasiten?

Nachdem ich Regionen in Japan bereist habe, in denen der Verzehr von rohem Pferdefleisch besonders beliebt ist, schien mir der Besuch des groessten Parasitenmuseums der Welt in Tokyo nur obligatorisch. Japaner lieben rohes und auch vergorenes Essen, das muss nicht immer gut enden, wie ich selbst erfahren durfte.

Das Museum liegt in Meguro und ist definitiv schwer zu finden. Ich hatte mich unvorsichtig ohne Stadtplan oder Anreisebeschreibung auf den Weg gemacht. Da stand ich nun im Schneeregen. Ich wusste nur noch, dass das Museum 15 min. Fussweg von der U-Bahn entfernt liegt. Nach 25 Minuten bin ich umgedreht. Uebrigens fuehrt die durchschnittliche japanische Koerpergroesse zu ungewollten Interaktionen von Regenschirmraendern mit Touristenkoepfen. Wie ein Boxer halte ich die Arme oben und bin froh, dass ich eine Schutzbrille trage.

In der Metrostation habe ich dann einen Stadtplan mit englischen Uebersetzungen gefunden. Der Ausschnitt war so gewaehlt, dass das Parasitenmuseum nicht mehr darauf enthalten war. Aber ich bin anscheinend die richtige Strasse lang gelaufen. Nochmal los. Auf dem Weg bin ich dann erst mal essen gegangen, eine gute Idee, wie sich spaeter herausstellte.

Jedenfalls kam das Museum wieder nicht und ich habe in einer Apotheke gefragt. Die sollten das doch wissen… Nach ueber einer Stunde Bewegung im Schneeregen war ich endlich da. Es gab schon ein Schild, ein kleines, egal. Falls mal jemand hinmoechte, es kommt gleich hinter dem Altersheim und der Musikschule auf der linken Strassenseite. 10 Minuten Fussweg.

Das Museum hat zwei Etagen und unzaehlige Parasiten. Schoen in Glaeschen gestopft. Beschreibungen sind auf Japanisch, aber die Bilder sind meist selbsterklaerend. Komischerweise werden nur afrikanische Parasitenopfer auf Fotos gezeigt. Japanische werden als farbige Laempchen auf einer Landkarte dargestellt. Da hat doch jede Region auch ihre Parasitenspezialitaet.

Im Obergeschoss kann man Parasitenandenken kaufen, T-Shirts, Postkarten oder auch silberne Parasitenkettenanhaenger. Wie viele Parasiten ich mitbringe, wird sich noch herausstellen. 

Wuermchen

Der Fisch steht frueh auf

Der Tag begann sehr frueh. 4:45 Uhr klingelte der Wecker und das sollte so sein. Laut Reisefuehrer soll man moeglichst zeitig auf dem Tsukiji-Markt erscheinen. Hier gibt es hauptsaechlich Fisch. Auf dem Fluss kommen die Boote an und liefern den fangfrischen Fisch fuer die Auktionen, Beginn 4:30 Uhr. Dann wiederum werden die Fische von Zwischenhaendlern an unzaehligen Staenden verkauft. Ich falle jedenfalls schlaftrunken in die U-Bahn und auch nach zweimal Umsteigen ist es draussen noch dunkel.

Erstmal laeuft man durch einen Riesenparkplatz mit LKW`s. Schon das macht munter, denn ueberall wird eingeparkt, ausgeparkt, angeliefert usw. Man springt so hin und her, weicht aus und sucht die Fische. Ich bin jedenfalls einer dreikoepfigen Touristengruppe gefolgt, die zielstrebig in eine Richtung liefen. Dann kamen wir endlich in die Hallen mit den Fischen und sofort ist man wach. Das totale Getummel. Enge Gaenge mit so kleinen Lampen belaeuchtet. Ueberalle Fische, die Tunasaege kreischt. Ich laufe hunderte Meter vorbei an lebenden, gefrorenen, getrockneten, zerstueckelten und komisch aussehenden Fischen. Manchmal werden sie gekoepft oder ein Draht wird in sie hineingesteckt. Ich gucke interessiert zu und stehe immer im Weg. Menschen laufen in alle Richtungen, haben es eilig. Ernste, gestresste Gesichter. An meinen Schuhen kleben Fischreste.

In den groesseren Gaengen fahren kleine, wendige Lieferwagen, sie scheinen von ueberall her zu kommen und ich springe wieder hin und her. Nirgends ist man sicher. Aber es macht Spass. Es gibt ganz viel zu sehen und ich kaempfe beim Fotografieren mit dem wenigen Licht. Draussen wird es langsam Tag. Es ist sehr kalt und das ist wie immer ein guter Anfang fuer ein Gespraech. Nein, ich esse nicht so gern Fisch, aber Japan finde ich prima und die japanische Kueche ist natuerlich auch ausgezeichnet. Wenn die wuessten.

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Tuna

Fischmarkt

Das Hannelore-Kohl-Zimmer

Ich hatte es irgendwie schon geahnt. Vom vollkommen dunklen Kellerschlafsaal wurde ich jetzt in ein Einzelzimmer im Erdgeschoss umgelegt. Das Fenster ist durch eine festinstallierte Gardine verdeckt. Warum? Nach Sonnenaufgang kommt so gut wie kein Licht in das Zimmer. Die naechste Wand ist ca. 30 cm entfernt, dunkler Backstein. Und wie gesagt, Erdgeschoss. Helligkeit ungefaehr wie einen Tag nach Neumond. Auf dem Fensterbrett steht ein kleiner Fernseher, aufmachen kann man das Fenster sowieso nicht, man koennte es nicht mal als Notausgang benutzen. Aber der Fernseher ist ja auch ein Fenster.